Offene Immobilienfonds

Immobilienfond mit Wohngebäuden und Bürobauten als Symbole für Kapitalanlage
09.11.2012 (Aktualisiert am: 10.04.2026)

Offene Immobilienfonds versprechen Anlegern regelmäßige Erträge durch Miet- und Wertsteigerungen. Dabei können Sie bereits mit kleineren Summen in ein professionell verwaltetes Immobilienportfolio investieren. Allerdings hat die Finanzkrise gezeigt, dass diese Anlageform nicht ohne Risiken ist.

Wie funktioniert ein offener Immobilienfonds?

Der Grundgedanke ist praktisch: Statt einzelne Immobilien zu kaufen, teilen sich mehrere Anleger die Kosten und den Nutzen. Sie erwerben Anteile am Fonds, nicht an konkreten Gebäuden. Die Fondsgesellschaft kauft typischerweise gewerbliche Immobilien – Bürogebäude, Einkaufszentren, Hotels oder Lagerhallen – und vermietet diese. Die Erträge aus den Mieteinnahmen sowie mögliche Wertsteigerungen der Objekte werden an die Anleger ausgeschüttet.

Ein großer Vorteil gegenüber dem direkten Immobilienkauf ist die Flexibilität. Sie können Ihre Fondsanteile jederzeit kaufen und verkaufen – das unterscheidet offene Immobilienfonds von geschlossenen Fonds, bei denen das Geld für Jahre gebunden ist. Damit wird Immobilieninvestment auch für Privatanleger mit kleineren Vermögen zugänglich.

Rechtlich muss ein offener Immobilienfonds mindestens zehn verschiedene Objekte halten. Diese Streuung soll das Risiko reduzieren. Zusätzlich muss die Fondsverwaltung ständig liquide Mittel vorhalten – mindestens fünf Prozent des Fondsvermögens. Diese Geldreserve sichert ab, dass Anleger ihre Anteile jederzeit verkaufen können, ohne dass der Fonds erst Immobilien verkaufen muss.

Steuern und Erträge

Der Staat förbert Immobilieninvestitionen durch Steuervergünstigungen. Gewinne, die durch steigende Immobilienwerte entstehen, sind in vielen Fällen steuerfrei. Mieteinnahmen werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen klassifiziert. Falls der Fonds international investiert hat und Einkünfte aus Ländern mit Doppelbesteuerungsabkommen stammen, fallen unter bestimmten Bedingungen auch dort keine Steuern an.

Diese Privilegien machen offene Immobilienfonds für viele Sparer attraktiv – sie versprechen eine steuereffiziente Rendite. Allerdings sollten Sie sich, wie bei jeder Geldanlage, bewusst machen, dass Steuervergünstigungen allein keine gute Rendite garantieren.

Wo die Realität der Versprechen widerspricht

Lange Jahre galten offene Immobilienfonds als sichere Geldanlage für konservative Anleger. Diese Reputation zerbrach mit der Finanzkrise 2008. Seitdem mussten mehrere große Fonds abgewickelt werden – mit erheblichen Verlusten für die Anleger. Wer seine Anteile über die Börse verkaufen wollte, musste teilweise mit Kursabschlägen von 20 bis 30 Prozent rechnen.

Die Probleme entstanden durch mehrere Faktoren gleichzeitig. Viele Immobilien hatten Leerstandsprobleme. Gleichzeitig wollten immer mehr Anleger ihre Anteile zurückgeben – zum Beispiel, weil sie das Geld anderswo brauchten oder das Vertrauen verloren hatten. Dadurch geriet die Liquidität mancher Fonds unter Druck. Die Fondsverwaltung hätte dann entweder Schulden aufnehmen oder Objekte mit Verlust verkaufen müssen – beides wäre teuer für die verbleibenden Anleger geworden.

Um eine Krise abzuwenden, ergriffen einige Fonds ein umstrittenes Mittel: Sie verweigerten Anlegern die Auszahlung ihrer Anteile. Das verstieß zwar nicht gegen die Regeln, entzog Anlegern aber die Flexibilität, die offene Immobilienfonds eigentlich auszeichnen sollte. Sparkassen und Landesbanken sprangen mit Übernahmeregelungen ein, um das Vertrauen zu stabilisieren – letztlich auf Kosten der Steuerzahler.

Was Anleger heute beachten sollten

Die Finanzkrise hat eines klar gemacht: Offene Immobilienfonds sind nicht automatisch eine sichere Geldanlage. Ob ein Fonds stabil bleibt, hängt vom Management, dem Immobilienbestand und der wirtschaftlichen Lage ab.

Falls Sie dennoch in offene Immobilienfonds investieren möchten, sollten Sie realistisch einkalkulieren, dass Schwankungen und längere Phasen schwacher Renditen möglich sind. Die Stiftung Warentest rät, offene Immobilienfonds maximal mit zehn Prozent im Depot zu gewichten – eher als Beimischung zu sehen denn als Kernanlage.

Achten Sie auf Fonds, die in den letzten fünf Jahren konstant mindestens vier Prozent Rendite gebracht haben. Das ist kein garantierter Wert, zeigt aber, dass das Management mit schwierigen Marktphasen umgehen konnte. Vermeiden Sie Fonds mit hohen Leerstandsquoten oder chronischen Liquiditätsproblemen – diese deuten auf strukturelle Probleme hin.

Besonders für langfristig orientierte Anleger kann es interessant sein, gezielt in Phasen zu kaufen, wenn Kurse gefallen sind. Wer dagegen kurzfristig Geld braucht oder nicht mit Schwankungen leben kann, sollte die Finger von dieser Anlageform lassen.

Die Zeiten, in denen offene Immobilienfonds als mühelose Rendite-Maschine galten, sind vorbei. Heute erfordern sie eine bewusste Auswahl und realistische Erwartungen – wie jede andere Geldanlage auch.

FAQ: Offene Immobilienfonds – Häufig gestellte Fragen

Wie viel Geld muss ich mindestens in einen offenen Immobilienfonds investieren?

Es gibt keine einheitliche Mindestanlage – das hängt vom einzelnen Fonds ab. Viele Fonds akzeptieren Einstiegsbeträge ab 500 bis 1.000 Euro. Der Vorteil gegenüber dem direkten Immobilienkauf liegt gerade darin, dass auch Kleinanleger Zugang haben.

Kann ich meine Anteile jederzeit verkaufen?

Theoretisch ja, praktisch nicht immer. In Krisenphasen haben einige Fonds die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt. Die Regel lautet: Zu Beginn und bei stabilen Marktbedingungen können Sie Ihre Anteile jederzeit veräußern. In Stresssituationen kann die Fondsgesellschaft Auszahlungen aber vorübergehend verweigern.

Wo liegt der Unterschied zu geschlossenen Immobilienfonds?

Offene Fonds können Sie jederzeit kaufen und verkaufen, geschlossene Fonds nicht – das Geld ist dort meist über Jahre oder Jahrzehnte gebunden. Dafür versprechen geschlossene Fonds oft höhere Renditen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Sind offene Immobilienfonds nach der Finanzkrise sicherer geworden?

Die Regulierung wurde gestärkt, und Transparenzanforderungen sind größer. Dennoch gibt es keine Garantie – der Immobilienmarkt schwankt wie jeder andere. Sicherheit hängt immer noch vom einzelnen Fonds und seiner Verwaltung ab.

Wie wird die Rendite berechnet?

Die Rendite setzt sich aus Mieteinnahmen und Wertsteigerungen zusammen. Mieteinnahmen werden regelmäßig ausgeschüttet, Wertsteigerungen entstehen, wenn die Immobilien an Wert gewinnen. Bei Leerständen oder sinkenden Immobilienwerten fällt die Rendite entsprechend niedriger aus.

Kann ich einen Totalverlust erleiden?

Ein vollständiger Totalverlust ist unwahrscheinlich, da Immobilien einen Substanzwert haben. Allerdings sind Kursverluste von 20 bis 30 Prozent möglich – wie die Vergangenheit gezeigt hat. Wer Anteile über die Börse mit Verlust verkaufen muss, kann deutlich weniger zurück bekommen, als er eingezahlt hat.

Lohnt sich ein offener Immobilienfonds heute noch?

Das hängt von Ihrem Anlageziel und Ihrer Risikobereitschaft ab. Für Sicherheitsorientierte sind Immobilienfonds nicht die erste Wahl. Für langfristig denkende Anleger mit Durchhaltevermögen können ausgewählte Fonds mit guter Bilanz weiterhin eine Rolle spielen – aber nicht als Hauptanlage, sondern als Beimischung.

Welche Kosten fallen bei offenen Immobilienfonds an?

Typischerweise zahlen Sie eine Verwaltungsgebühr (oft zwei bis drei Prozent pro Jahr) und gegebenenfalls Maklergebühren beim Kauf. Diese Kosten reduzieren die Rendite, weshalb Sie genaue Gebührenvergleiche anstellen sollten.